01.02.2018

Facebook bleibt trotz der Newsfeed-Regeländerung als Werbekanal relevant

Mark Zuckerberg betont, dass die Nutzer seines von ihm gegründeten Social-Media-Netzwerks Facebook für ihn stets im Vordergrund stehen. Und nicht die Werbemöglichkeiten für Firmen, die sich dort ebenfalls bieten. Das beweist der CEO nun einmal mehr mit seinen neuen Richtlinien für die Newsfeeds, die auf Benutzerwünsche zurückgehen. Die Feeds werden im Laufe der nächsten Monate dahingehend geändert, dass persönliche Postings wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden. Postings von Unternehmen, Newsseiten oder politischen Gruppen sollen nur noch in geringem Maße dargestellt werden. Die Plattform soll somit wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren und Menschen in Verbindung bringen. Wird diese Änderung damit aber zum Problem für viele Firmen, die jahrelang an einer Social-Media-Strategie gefeilt haben, um Reichweite bei ihren Kunden zu erlangen? Werden Marken in den Hintergrund geraten und Käufer verlieren, weil ihre kostenlose Werbeplattform Facebook sie nicht mehr in ihrer Werbestrategie unterstützt? Diesen Fragen werden sich viele Unternehmen nun stellen und sich überlegen müssen, wie sie ihre Werbung weiterhin kostenlos und gewinnbringend platzieren können.

Oder sind die Auswirkungen für Werbende doch gar nicht so schlimm, wie man befürchten könnte? Die neuen Newsfeed-Regeln können nämlich in gewisser Weise umgangen werden: viele Unternehmen informieren ihre Facebook-Fans bereits, wie sie ihre Posts und Anzeigen doch stetig und als Erstes auf ihrer Startseite zu sehen bekommen. Man kann einstellen, ob man die Mitteilungen standardmäßig - oder je nach Facebook Entscheidung eben auch nicht - zwischen anderen Posts zu sehen bekommt oder sie direkt am Anfang auf der Seite aufpoppen.

Also doch alles nicht so dramatisch für die Unternehmen? Anscheinend nicht, nur mit viel Aufklärungsarbeit für die Seitenbetreiber und der Hoffnung verbunden, dass die Nutzer ihre Einstellungen ändern, um weiterhin von ihren Seiten informiert werden zu können. Die Werbeagenturen werden fortan auch mehr Arbeit bekommen, denn die Werbeanzeigen für ihre Kunden müssen aggressiver gestaltet werden, um sich von der Konkurrenz abzusetzen, und eine hohe Interaktionsrate hervorrufen. Denn bei hoher Interaktionsrate werden die Beiträge von Firmen weiter oben im Newsfeed angezeigt, da Facebook die Anzahl an Diskussionen und Kommentaren wieder deutlich steigern will. Die Verminderung an Werbung bei Facebook soll außerdem zu einer qualitativ hochwertigeren und noch benutzerspezifischeren Werbung führen, weil sich die Werbenden noch mehr Mühe geben, um die Kunden mit ihren Posts abzuholen, zu begeistern und für mehr Interaktion zu sorgen.

Für die Nutzer, die Facebook in seiner eigentlichen Bestimmung - Kommunizieren mit Freunden und Verwandten, schöne Momente teilen, mit alten Freunden in Kontakt bleiben - nutzen, sind die Newsfeed-Regeländerungen sicherlich eine gute Sache - sie werden nicht mehr von Werbeanzeigen überflutet und können sich an den für sie wesentlichen Posts erfreuen. Die verbrachte Zeit auf Facebook wird laut Mark Zuckerberg damit zwar weniger werden, allerdings wird sie für die Nutzer auch wertvoller. Die Menschen, die Facebook als Informationsmedium nutzen, um auf dem Laufenden zu bleiben, müssen für wertvoll genutzte Zeit und informative Quellen erst etwas tun: entweder müssen sie die Einstellungen für die Seite, die ihnen als Informationsquelle dient, ändern (was kein allzu großes Problem darstellen sollte). Oder sie müssen hoffen, dass die für sie interessanten Quellen gute Social-Media-Strategen im Hintergrund haben und große Reichweiten bzw. Interaktionen für ihr Unternehmen erzielen, um weiterhin regelmäßig im Newsfeed angezeigt zu werden.

Die neuen Newsfeed-Regeln haben also doch nicht so heftige Konsequenzen wie befürchtet, weder für die Nutzer noch für die Werbenden. Es wartet nur mehr Arbeit auf die Unternehmen und ihre PR-Agenturen.

Svenja Burchards

Trainee Public Relations