01.06.2017

Rückenwind für die Branche notwendig

In diesem Jahr wird das Fahrrad 200 Jahre alt. Damals eine absolute Revolution im Bereich der individuellen Mobilität, ist es auch heute noch ein modernes und vielseitiges Fortbewegungsmittel, das die Antwort auf viele aktuelle gesellschaftliche und verkehrspolitische Herausforderungen ist und zukünftig auch weiter sein kann.

Allein im vergangenen Jahr wurden 4,06 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft wie der Zweirad-Industrie Verband (ZIV) letztens bekanntgab. Im Vergleich zu 2015 war das ein Rückgang der Verkaufszahlen von 6,9%. Diese Entwicklung ist maßgeblich dem bescheidenen Wetter mit kühlen und regnerischen Bedingungen im Frühjahr und Sommer letzten Jahres zuzuschreiben. Anders als andere Wirtschaftsbranchen ist die Fahrradindustrie stets stark von den Witterungsbedingungen während der Saison abhängig. Wenn das Wetter schlecht ist, steigen nun einmal die allerwenigsten auf ihr Rad, sondern lassen es lieber stehen.

Obwohl die Verkaufszahlen in 2016 zurückgegangen sind, stieg dennoch interessanterweise der Gesamtumsatz auf insgesamt 2,6 Mrd. Euro an. Einer der Umsatztreiber war erneut die E-Bike-Sparte. Im gesamten letzten Jahr wurden allein 605.000 Elektroräder verkauft, ein deutliches Umsatzplus von 13% im Vergleich zu 2015. An dem Anteil von 15% am Gesamtmarkt und mit mittlerweile drei Millionen Exemplaren auf deutschen Straßen und Radwegen zeigt sich bereits die Bedeutung des E-Bikes für die Industrie und die Individualmobilität in Freizeit und Alltag. Langfristig rechnet der ZIV sogar mit einem Marktanteil für Elektrofahrräder von 30%.

Obwohl sie lange Zeit mit dem "Seniorenimage" kämpfen mussten und auch gerne mal als "Rentnerdrohnen" tituliert werden, erfreuen sich E-Bikes seit einiger Zeit auch beim jüngeren Publikum immer größerer Beliebtheit. E-MTBs, sportliche Tourer oder motorunterstützte Lastenräder werden gefragter, die Zielgruppe für E-Bikes immer jünger. Frühzeitig haben viele Hersteller das E-Bike für sich entdeckt und nutzen den Trend zur Elektrifizierung und Digitalisierung in Verbindung mit ausgiebiger PR und Werbung, um ihre Elektrofahrräder an ein junges Zielpublikum heranzutragen.

Doch anders als die Zielgruppe, die man ansprechen will, scheint eine Vielzahl an Herstellern nicht mit diesen Trends und den aktuellen technologischen Entwicklungen Schritt halten zu können, um sich erfolgreich am Markt zu positionieren. Eine klare und wettbewerbsfähige Positionierung ist jedoch notwendig, um eine echte Marktdurchdringung zu erreichen und in den Köpfen der Menschen präsent zu sein. Allein auf dem hiesigen Markt konkurrieren rund 200 Marken beim Wettrennen um die Gunst des Kunden. Dabei wird PR als effizientes Tool häufig stark vernachlässigt. Zudem scheuen sich noch viele kleine und mittelgroße Hersteller und Traditionsunternehmen davor, Social Media im vollen Umfang für ihre Kommunikation einzusetzen, meist wird die Thematik eher "stiefmütterlich" behandelt. Dies hat jedoch zur Folge, dass diese Hersteller und ihre Marken schnell in Vergessenheit geraten.

Der Trend zur Elektrifizierung hat aber zur Folge, dass andere Modellgruppen nur geringer verkauft werden. Hersteller, die sich nicht mit ihrem Produktangebot oder ihrer Art der Kommunikation von der Masse abheben, werden es zukünftig sehr schwer haben, sich am Markt erfolgreich zu positionieren. Wenn dabei das Wetter in der Fahrradsaison noch schlecht ausfällt, könnte es für viele Hersteller sehr schnell düster werden.

Andreas Kroll

Account Manager