﻿{"id":1033,"date":"2016-07-21T13:08:10","date_gmt":"2016-07-21T11:08:10","guid":{"rendered":"\/?p=1033"},"modified":"2019-03-06T17:01:18","modified_gmt":"2019-03-06T16:01:18","slug":"was-haben-donald-trump-und-die-pink-tax-gemeinsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.itms.com\/de\/was-haben-donald-trump-und-die-pink-tax-gemeinsam\/","title":{"rendered":"Was haben Donald Trump und die Pink Tax gemeinsam?"},"content":{"rendered":"<p>Im Dezember 2015 wurde eine Studie vom New York City Department of Consumer Affairs ver\u00f6ffentlicht, die besagt, dass Frauen durchschnittlich 7% mehr f\u00fcr Produkte und Dienstleistungen zahlen als M\u00e4nner. Diese Differenz ist auch als Pink Tax \u2013 Rosa Steuer \u2013 bekannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-736\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ITMS_news_732x365_Pink-tax.png\" alt=\"\" width=\"732\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.itms.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ITMS_news_732x365_Pink-tax.png 732w, https:\/\/www.itms.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ITMS_news_732x365_Pink-tax-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 732px) 100vw, 732px\" \/><\/p>\n<p>Die Studie zeigt ebenso, dass es Produkte und Dienstleistungen gibt, f\u00fcr die M\u00e4nner einen h\u00f6heren Betrag zahlen als Frauen. Dies l\u00e4sst die Frage aufkommen, warum \u00fcberhaupt Gender Pricing (geschlechtsspezifische Preisgestaltung) existiert und welche Gr\u00fcnde Unternehmen haben, ihre Produkte an Verbraucher geschlechtsspezifisch zu vermarkten. Werfen wir einen Blick auf die Hintergr\u00fcnde und lassen Sie uns erkunden, warum Gender Pricing ein wertvolles Marketing-Tool darstellt, um den Mehrwert einer Leistung oder eines Produkts f\u00fcr den Verbraucher bei der Preisgestaltung zu implementieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus Sicht des Verbrauchers ist es auf den ersten Blick einfach, auf die Tatsache w\u00fctend zu sein, dass Unternehmen Produkte f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen unterschiedlich bepreisen. Aus Unternehmenssicht handelt es sich jedoch um einen \u00e4u\u00dferst effektiven und wertvollen Weg der Preisbildung, wie sie auch in anderen Bereichen zum Tragen kommt. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her f\u00fchrt es, wie es einige der erfolgreichsten Unternehmen vormachen, zu einer nachhaltigen Optimierung der Einnahmen. Werfen wir einen Blick in die USA, auf einen der gr\u00f6\u00dften Verbraucherm\u00e4rkte der Welt. Die gro\u00dfen amerikanischen Discounter wie Wal-Mart, Target oder auch Kroger verkaufen die speziell an ein Geschlecht gerichteten Produkte zu unterschiedlichen Preisen an M\u00e4nner und Frauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann sich durchaus die Frage stellen, wie dies \u00fcberhaupt funktioniert. Was, wenn sich die Verbraucher entscheiden, nicht die teureren Produkte zu w\u00e4hlen oder einfach die f\u00fcr das andere Geschlecht beworbenen zu kaufen? Ganz einfach \u2013 sie w\u00e4ren ganz schnell nicht mehr in den Regalen. Die Produkte w\u00fcrden abgesetzt werden. Tats\u00e4chlich aber stehen die Regale voll mit geschlechtsspezifischen Produkten aller Art. Schlie\u00dflich will kein Mann wie eine Frau riechen und umgekehrt. Ergo ist der Handel in der Lage, die Produkte getrennt zu vermarkten und entsprechend auch unabh\u00e4ngige Preise zu definieren. Je nach Produktgruppe ist dann entweder die m\u00e4nnliche oder weibliche Zielgruppe bereit, auch einen h\u00f6heren Preis zu zahlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Fall von Hygiene- und Kosmetikartikeln sind es meist die Frauen. Beispiel Deodorant \u2013 Stellen Sie sich vor, dass ein Discounter in einem Laden den an sich gleichen Deo-Stick mit einer Kennzeichnung f\u00fcr M\u00e4nner und einer f\u00fcr Frauen anbieten w\u00fcrde. Dabei wird f\u00fcr das weibliche Produkt 30 Cent mehr veranschlagt. Bei 1.000 verkaufen Einheiten je Typ in der Woche ergeben sich 300 Euro Mehreinnahmen gegen\u00fcber dem Verkauf zum gleichen Preis. In einem Jahr liegt der zus\u00e4tzlich generierte Umsatz bereits bei 15.600 Euro. Und das ist nur ein Produkt mit einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig niedrigen Verkaufszahl in unserer Kalkulation. Abgesehen von den dargestellten, theoretischen Mehreinnahmen ist der Handel in diesem Produktsortiment aber auch mit gr\u00f6\u00dferen Ausgaben f\u00fcr an Frauen gerichtete Produkte konfrontiert. Der Aufwand f\u00fcr Design, Packaging und Werbung liegt meist h\u00f6her als bei M\u00e4nnerartikeln. Auch die Produktionskosten fallen hier h\u00e4ufig h\u00f6her aus, da qualitativ hochwertigere Wirk- und Zusatzstoffe verwendet werden, um den Bed\u00fcrfnissen der Zielgruppe m\u00f6glichst gerecht zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus diesem Blickwinkel betrachtet also eigentlich kein richtiger Grund sich aufzuregen. Ist es etwa unmoralisch? Es gibt eine Menge Dinge im Leben, die unmoralisch sind. Der amerikanische Pr\u00e4sidentschaftskandidat Donald Trump beispielsweise degradiert Frauen, verschm\u00e4ht andere Kandidaten und machte sich zuletzt \u00fcber einen Reporter mit Behinderung lustig. Und dennoch wei\u00df der Mann 86% der republikanischen Stimmen hinter sich und ist deren einziger verbleibender Kandidat im Rennen um das Amt als m\u00e4chtigster Mann der Welt. Milliard\u00e4r, Inhaber zahlreicher Unternehmen, Marken, Veranstaltungen, B\u00fccher und Organisationen \u2013 ob Trump dies erreicht hat, indem er es immer jedem recht gemacht hat? Wohl eher nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Staaten besitzt Trump ein solides Image und er verfolgt in seiner Kampagne um das Amt als Pr\u00e4sident einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kommunikationsansatz. Aus deutscher Sicht nur schwer nachvollziehbar, dass er seinen Weg auf diese Weise erfolgreich gestalten kann, aber es funktioniert nun mal. In einer gewissen Weise ist Donald Trump also auch ein Vorbild f\u00fcr andere Gesch\u00e4ftsleute, Unternehmer und CEOs. Er ist unbequem, spaltet die \u00d6ffentlichkeit und f\u00fchrt seine Strategie dennoch zum Erfolg. Auch wenn wohl viele Amerikaner einiges rund um Trump f\u00fcr unmoralisch halten d\u00fcrften, so sehen sie dennoch den Mehrwert, den er ihnen verspricht und sind deswegen bereit, den Preis daf\u00fcr zu zahlen. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit Verbrauchern, die, erkennen sie den Mehrwert f\u00fcr sich, einen h\u00f6heren Preis akzeptieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Star-DJ Calvin Harris hat j\u00fcngst mit Gender Pricing Schlagzeilen gemacht. F\u00fcr ein Konzert in Las Vegas bot er seine Tickets M\u00e4nnern und Frauen zu unterschiedlichen Preisen an. Der gleiche Club, das gleiche Konzert, die gleichen Pl\u00e4tze \u2013 zwei Preise. In diesem Fall liegt die Festsetzung der Preise beim Veranstalter, dem Nachtclub. Und ob irgendwo in Berlin oder auf dem Strip in Las Vegas \u2013 h\u00e4ufig zahlen M\u00e4nner einen h\u00f6heren Eintrittspreis als Frauen. Beim Konzert von Harris lagen die Tickets f\u00fcr Frauen bei 40 Dollar, M\u00e4nner mussten 100 Dollar f\u00fcr die Eintrittskarte zahlen. Die Strategie ist \u00fcberall die gleiche und wieder steht der wahrgenommene Mehrwert f\u00fcr die jeweilige Zielgruppe im Mittelpunkt der \u00dcberlegungen. Bei niedrigerem oder gar freiem Eintritt f\u00fcr Frauen entsteht bei den m\u00e4nnlichen Partyg\u00e4ngern der Gedanke, dass im Club eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Anzahl an Frauen vor Ort ist. Frauen wiederum erfreut nicht nur der niedrige Preis. Bei ihnen st\u00e4rkt dies auch unterbewusst das Selbstwertgef\u00fchl, da die Herren relativ viel Geld in die Hand nehmen, um in den Club und damit ihre N\u00e4he zu gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Besitzer von Bars und Discotheken ist dies ein lukratives Gesch\u00e4ft. Nehmen wir einmal an, dass 500 M\u00e4nner an der Show von Calvin Harris teilnehmen. Das macht einen Umsatz von 50.000 Dollar. Aufgrund des niedrigen Preises nehmen doppelt so viele Frauen teil, was 40.000 Dollar macht. In Summe ein Umsatz von rund 90.000 Dollar. W\u00fcrden die Tickets zum gleichen Preis von 100 Dollar das St\u00fcck verkauft werden, m\u00fcsste von einem Nachfrager\u00fcckgang ausgegangen werden. So w\u00fcrden bspw. nur 700 Menschen das Konzert besuchen. Es ergibt sich ein Umsatzverlust von 20.000 Dollar. Zudem sind davon auch der Umsatz von Getr\u00e4nken, Merchandise &amp; Co. betroffen. Auch gilt es, zu bedenken, dass letztlich weniger Menschen vor Ort sind, die sp\u00e4ter \u00fcber die Veranstaltung sprechen &#8211; Und \u00fcber die Wichtigkeit von pers\u00f6nlichen Empfehlungen f\u00fcr das Konsumverhalten brauchen wir nicht diskutieren. Das Ziel der Unternehmen, ob Kosmetikhersteller oder Disco-Betreiber, ist es, den f\u00fcr die jeweilige Zielgruppe optimalen Preis zu finden, der den h\u00f6chsten Gesamtertrag generiert. W\u00fcrden Sie als Unternehmer anders handeln?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wichtig ist, zu verstehen, dass Gender Pricing keine Abwertung eines Geschlechts darstellt oder gar sexistische Absichten hat. Die geschlechtsspezifische Preisgestaltung oder breiter betrachtet, das Thema der Preisdiskriminierung im Allgemeinen sowie dynamische Preisgestaltung sind schlichtweg \u00e4u\u00dferst hilfreiche Marketing- und Gesch\u00e4ftsstrategien, die in immer kompetitiveren Wettbewerbsumfeldern an Bedeutung f\u00fcr den Unternehmenserfolg gewinnen. Die aufgef\u00fchrten Beispiele rei\u00dfen das Thema auch lediglich an. Preisdiskriminierung findet sich an ganz vielen Stellen. Sei es der Studentenrabatt an der Kinokasse oder Nachl\u00e4sse bei Mitgliedschaften f\u00fcr spezielle Berufsgruppen. Das ist in den seltensten F\u00e4llen guter Wille, sondern auf den Cent kalkuliertes Gesch\u00e4ft. Man kann dies jetzt als unethisch oder falsch abtun, aber \u00e4ndern wird diese Ansicht nichts. Und die Chancen von Donald Trump, der n\u00e4chste Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten zu werden, wachsen ebenso von Tag zu Tag. Solange der Mehrwert f\u00fcr das Produkt die Zielgruppe erreicht und deren Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt, lassen sich auch dementsprechende Preisstrukturen definieren. So sollten Unternehmen keine Hemmungen haben, stets im Rahmen des Zumutbaren, ihren Preis frei zu bestimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember 2015 wurde eine Studie vom New York City Department of Consumer Affairs ver\u00f6ffentlicht, die besagt, dass Frauen durchschnittlich 7% mehr f\u00fcr Produkte und Dienstleistungen zahlen als M\u00e4nner. Diese Differenz ist auch als Pink Tax \u2013 Rosa Steuer \u2013 bekannt. 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